Kita Tamm - archiTEC24

Eis Eisspeicher Kommunale Bauten Projekte Solarsysteme Sole/Wasser-Wärmepumpe Speicher-Wassererwärmer Wärmepumpe Wasser

Kita Tamm

Die farbenfrohe Gestaltung im Inneren findet an der Außenfassade ihre Entsprechung. Die Holzschalung in einem warmgrauen Naturton bildet die Basis. ©FOTO-ARH.de, Tamm
Die farbenfrohe Gestaltung im Inneren findet an der Außenfassade ihre Entsprechung. Die Holzschalung in einem warmgrauen Naturton bildet die Basis. ©FOTO-ARH.de, Tamm

Daten und Fakten

Standort: Alleenstr. 56, 71732 Tamm
Bauherr: Gemeinde Tamm
Architekt: schlude ströhle richter architekten, Stuttgart
Bauzeit: 08/2012 -12/2013
Planung: 10/2011 – 10/2012

NF: 750 m²
BGF: 1.000 m²
BRI: 3.500 m³

Jahresprimärenergiebedarf: 85 kWh/m2a
Endenergiebedarf: 33 kWh/m2a
Heizenergiebedarf: 33 kWh/m2a
Stromverbrauch: 40 kWh/m2a

Gesamtkosten: 2,8 Mio. Euro

Videodokumentation:

Architekten

schlude ströhle richter architekten bda
Silberburgstraße 70A
70176 Stuttgart
www.ssr-architekten.de

Büroschwerpunkte:
ssr architekten bauen vor allem für die öffentliche Hand, sowie für Verbände und Institutionen.

Die vielfältigen Bauaufgaben sind z.B. Rathäuser, Sport- und Festhallen, Gebäude für kulturelle Zwecke, Kindergärten, Bildungseinrichtungen, Verwaltungs- und Produktionsgebäude und Feuerwehrhäuser, Gebäude zur Wohnnutzung wie Studentenwohnheime, Altenpflegeeinrichtungen, Flüchtlingsunterkünfte, Wohnanlagen uvm.

Bürophilosophie:
Unsere Architektur verfolgt stets einen ganzheitlichen Ansatz. Funktionalität, Ästhetik, Wirtschaftlichkeit und nachhaltiges Bauen sind keine Gegensätze. Vielmehr vereint die richtige Lösung einer Bauaufgabe all diese Aspekte.

Fachplaner

Statik
IB Helber + Ruff
Mömpelgardstr. 16
71640 Ludwigsburg
www.helber-ruff.de

Prüfstatik
Dipl.-Ing. Matthias Gerold
Felix-Wankel-Str. 6
73760 Ostfildern
www.ing-nellingen.de

Bauphysik
IB Seeberger + Partner
Helenenburgweg 69
74321 Bietigheim-Bissingen
www.sp-bauphysik.de

HLS
IG Hetzel
Turmgasse 7
73525 Schwäbisch Gmünd
www.ig-hetzel.de

Elektro
Thomas Haller – Esslinger IG
Dieselstr. 18/2
70771 Leinfelden-Echterdingen
www.eig-haller.de

Vermessung
IB Axel Westram
Wilhelmshofstr. 25
74321 Bietigheim-Bissingen
www.ib-westram.de

Vorbeugender Brandschutz
IB Halfkann + Kirchner
Friedrichstr. 10
70174 Stuttgart
www.hk-brandschutz.de

Geologe
Geoteam Schaffer
Gärtnerstr. 38
70329 Stuttgart
www.geoteam-schaffer.de

SiGeKo Sicherheits- und Gesundheitskoordination
ISTW Planungsgesellschaft mbH
Franckstr. 4
71636 Ludwigsburg
www.istw.de

Fotografie
Franc Arh
Tübinger Str. 51
71732 Tamm
www.foto-arh.de

Entwurfsaufgabe

Seit dem 1. August 2013 gilt der Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung bereits ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Auch Tamm, eine Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg mit rund 12.000 Einwohnern, benötigte im Zuge dieser Neuregelung eine weitere Betreuungseinrichtung für Kinder unter drei Jahren. Vom Gemeinderat wurde 2011 der Neubau einer viergruppigen Betreuungseinrichtung an der Alleenstraße beschlossen. Architekten der Kindertagesstätte sind ssr schlude ströhle richter architekten aus Stuttgart. Das Besondere: Die Kita ist eines der ersten öffentlichen Gebäude in Baden-Württemberg, welches das Prinzip des Eisspeichersystems als Energiequelle zur Heizung und Kühlung nutzt. Der Wunsch nach diesem zukunftsweisenden und innovativen Heizsystem kam aus dem Gemeinderat selbst.

Die Einrichtung sollte in energetisch hocheffizienter Bauweise und mit einem Energieverbrauch von etwa 55 Prozent unter geltender EnEV errichtet werden. Gemeinderat und Planer entschieden sich für ein bis dato noch weitgehend unbekanntes, besonders umweltschonendes Heiz- und Kühlsystem – eine Eisspeicherheizung von Viessmann. Eisspeichersysteme nutzen die sogenannte Kristallisationswärme, die freigesetzt wird, wenn ein Stoff, in diesem Fall Wasser, seinen Aggregatzustand von flüssig auf fest ändert. Das Raumprogramm erarbeitete der Bauherr in Abstimmung mit dem Fördergeber KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales). Durchdachte Raumkonzepte, hochwertiges Material und die gezielte pädagogische Begleitung geben den Kindern im neuen Haus im Sinne selbsttätigen Lernens und Bildens die nötigen Impulse, Hilfen und Anreize. In der Einrichtung legen die Fachkräfte Wert auf möglichst vielfältige Erfahrungsfelder und Handlungsmöglichkeiten, um den Kindern individuelle Angebote anbieten zu können. Auch bezüglich variabler Öffnungszeiten und unterschiedlicher Betreuungsformen bietet die Gemeinde Tamm den Eltern in der neuen Einrichtung viele Möglichkeiten. Die Nachfrage nach den Plätzen in der „Vorzeige-Kita“ ist groß: Im Betreuungsjahr 2016/2017 ist die Kindertagesstätte voll belegt, weswegen die Gemeinde bereits über den Bau einer weiteren Einrichtung für Kinder unter drei Jahren nachdenkt.

Projektbeschreibung

Der Bau der Kita Alleenstraße war gekennzeichnet von einem anspruchsvollen und konstruktiven Miteinander zwischen Bauherr, Handwerkern, Planern, Behörden und weiteren Beteiligten. Bauen wurde hier als Gemeinschaftswerk vieler verstanden. Es wurde partnerschaftlich zusammen an einem Ziel gearbeitetet. Das bestätigt auch Jörg Richter, Projektarchitekt bei ssr schlude ströhle richter architekten aus Stuttgart, die nach gewonnenem Wettbewerb für Entwurf, Planung und Bauleitung der zweigeschossigen, 750 Quadratmeter umfassenden Kindertagesstätte in Tamm verantwortlich zeichnen. Das Gebäude besetzt stadträumlich die nordöstliche Ecke des Bauareals entlang der Alleenstraße unweit von Wiesen und Feldern und erhält somit eine ideale Erschließung und Ausrichtung. Die Gruppenräume und die großzügigen Freibereiche orientieren sich nach Süden und Westen. Der Blick geht zum imposanten Kirchturm der St. Bartholomäuskirche und damit entsteht eine visuelle Beziehung zwischen dem in den 1970er Jahren entstandenen Wohngebiet Hohenstange und dem alten Ortskern von Tamm.

Der kompakte Baukörper fasst in seinem Zentrum einen gemeinschaftlich genutzten Bereich, der von der Straßenseite aus erschlossen wird und sich zum Garten hin trichterförmig weitet. Eine mobile Trennwand ermöglicht die Separierung eines lichtdurchfluteten Mehrzweckraums, der sich mit einer geschosshohen Verglasung zu den Außenflächen öffnet. Hier findet auf 60 Quadratmetern stützenfreier Fläche die sportliche Betätigung der Kinder statt, er bietet aber auch die Möglichkeit zum gemeinsamen Feiern. Ist die Fläche nicht geteilt, sind die Trennwandelemente geschützt in einer Wandnische untergebracht. Insgesamt gibt es im Neubau vier räumlich identische Gruppenzonen für jeweils zwölf Kinder. Die Kleinkinder sollen hier auf zwei Geschossen ausgiebig spielen, experimentieren und werken können, aber auch Möglichkeiten finden, sich aus dem turbulenten Betreuungsalltag zurück zu ziehen.

Gleich neben dem Eingangsbereich mit angeschlossenem Kinderwagenraum befinden sich Büro- und Personalräume, Umkleiden, Sanitärräume für die Mitarbeiter und die Küche. Auch das Treppenhaus mit Aufzug ist hier zentral angeordnet.

In Richtung Osten schließt die erste der vier identisch aufgebauten, jeweils 100 Quadratmeter großen Zonen mit Gruppenraum, abtrennbarem Kleingruppenbereich, einem separaten Schlafraum und den dazugehörigen Sanitärräumen sowie einem Raum für Materialien an. Der Südflügel beherbergt die zweite Gruppeneinheit. Die zugehörigen Garderoben sind vor jedem Gruppenraum in Nischen auf den Fluren integriert. Einbaumöbel wurden vom Schreiner nach Maß in kindgerechtem Maßstab aus heimischen Hölzern gefertigt. Auch im Innenraum wurde viel Glas verwendet, um Blickbeziehungen zu ermöglichen und die Orientierung für die Kinder zu erleichtern. So bekamen manche Türen kreisrunde „Guckfenster“ in niedriger Höhe, um auch kleinsten Kindern Durchblick zu ermöglichen.

Die Fläche im Obergeschoss teilen sich Gruppenbereich drei und vier mit einem Besprechungsraum, einem weiteren Personalraum, der großen Malwerkstatt sowie einer Sanitärzone mit großzügigem Waschraum. Der Technikraum befindet sich auf der Nordseite über dem Büro. Die zentrale Erschließungsfläche wird über große Fenster zur Gartenseite hin belichtet. Jede Gruppeneinheit verfügt über eine direkte Fluchtmöglichkeit nach außen: vom Erdgeschoss gelangt man in den Garten. Aus dem Obergeschoss führt eine Fluchttreppe, ein Fluchtbalkon und die zentrale Loggia, die sich als holzgedeckte Freifläche über dem Mehrzweckraum befindet und eine Außentreppe in den Garten. Spannungsreiche Raumkompositionen, unterschiedliche natürliche Baustoffe mit wechselnden Oberflächen und haptischen Qualitäten, sowie vielfältige Farbvariationen kennzeichnen die Innenräume und regen die Kinder zum aktiven, inspirierenden Spiel an. In der Entwurfsphase und auch noch während der Bauausführung erfolgte in zahlreichen Bemusterungen und Arbeitssitzungen die Auswahl von Farben, Materialien und Oberflächen: Im Innenraum fügen sich mit Mineralfarbe gestrichene, weiße Wandflächen mit gewachsten Holzoberflächen und naturbelassenem Sichtbeton zu einem homogenen und harmonischen Materialkanon. Die Bodenbeläge aus Linoleum setzen Farbakzente. Mit Glas- und Wandtatoos wurden zusätzlich farbenfrohe Erlebniswelten und Themenzimmer gestaltet, die zum Träumen und zum Geschichten erfinden einladen sollen.

Trotz dieser vielfältigen Komponenten bleibt der ästhetische Anspruch hoch. Farbe, Formen und Materialien fügen sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Im Außenbereich wurde ein Erlebnisgarten mit zahlreichen Spielgeräten angelegt. Der kleine Hügel über dem eingegrabenen Eisspeicher ist gleichzeitig Sandkasten, von wo aus die Kinder ihre Welt überblicken können.

Baukonstruktion

Im Sinne einer ressourcenschonenden Bauweise dominiert bei dem nicht unterkellerten Gebäude der nachwachsende Rohstoff Holz als Baustoff. Als Fundament wurde eine Stahlbetonbodenplatte auf eine 50 Zentimeter starke Glasschaumschotterschicht elastisch gebettet, die für die nötige Wärmedämmung gegenüber dem Erdreich sorgt. Während der Kernbereich des Hauses in Stahlbetonbauweise mit Sichtbetonwänden errichtet wurde, sind die Gebäudeflügel als Holzbauten erstellt. Alle Wände wurden als Holzständerwände, die Geschossdecken aus schichtverleimten Brettstapelelementen konstruiert. Additiv angebrachte abgehängte Akustik-Deckensegel sorgen für eine gute Raumakustik. Die Fassade wurde als hinterlüftete Naturholzfassade aus heimischer Lärche ausgeführt.

Die Farbgestaltung im Inneren findet an der Außenfassade ihre Entsprechung. Die Holzschalung im warmgrauen Naturton bildet die Basis. Über den bodentiefen Fensteröffnungen und Fenstertüren sind lackierte Tafeln aus Metall angebracht. Hier wechseln die im Innenraum vorherrschenden drei Grundfarben des Farbkreises rot, blau und gelb über in eine erfrischende Trilogie aus magenta, frühlingsgrün und orange. Durch rhythmische Verschiebungen der raumhohen Öffnungen entsteht ein lebendiges Spiel, das durch die Farbakzente noch intensiviert wird. Die leicht geneigte und begrünte, überkragende Dachfläche des Gebäudes ist optisch vom Baukörper über eine horizontale Fuge abgesetzt und erscheint so besonders leicht und filigran. Hier sind die für das regenerative Energiekonzept der Kita nötige Luftabsorberanlage sowie eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 7 KW Peak aufgestellt.

Interview

mit der Bauamtsleiterin der Gemeinde Tamm, Edda Bühler und dem Architekten Jörg Richter sowie Christian Stadelmaier von der Ingenieursgesellschaft Hetzel

Frau Bühler, was waren die wichtigsten Aspekte beim Neubau der Kita in Tamm?
Gerade für die kleinsten Kinder, die in die Betreuung kommen, sollte eine Lebens- und Erfahrungswelt geschaffen werden, in der sich die Kinder geborgen fühlen. Sie sollte sich inspirierend auf die Entwicklung der Kinder auswirken und dabei den Erzieher/Innen Spielraum bieten, diese gut zu begleiten. Außerdem waren die Nachhaltigkeit der eingesetzten Baustoffe und die Minimierung der Unterhaltungskosten – vor allem der Energiekosten – wichtige Planungsvoraussetzungen.

Inwiefern ist der Neubau repräsentativ für die Gemeinde?
Die Gemeinde Tamm legt sehr großen Wert auf die Förderung der kommenden Generationen und den verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen. Dies spiegelt sich im Neubau in allen Bereichen exzellent wieder.

Wie war/ist die Reaktion der Bürger, Eltern, Kinder und Erzieher auf das Gebäude?
Insgesamt überwältigend – und stolz. Beim Tag der offenen Tür war gefühlt ganz Tamm auf den Beinen um das Gebäude in Augenschein zu nehmen. Der schönste Kommentar kam von einem Herrn in gesetztem Alter, der mit glänzenden Augen und in breitem Schwäbisch freudestrahlend meinte: „Do goht mei Enkele no. Do tät I gern tauscha“. Die ErzieherInnen sind sehr zufrieden mit den Möglichkeiten, die das Gebäude für ihre gute Arbeit bietet. Und die Kinder sind glücklich.

Herr Richter, hatten ssr architekten vor der Planung und Realisierung der Kita im Tamm bereits Erfahrung mit dem System Eisspeicherheizung?
Nein, die Systemkomponenten waren zwar bekannt, für uns aber in dieser Kombination neu. Das dahinterstehende physikalische Prinzip hat uns jedoch schnell überzeugt.

Herr Richter, unterscheiden sich die Planungen eines Gebäudes mit Eisspeicherheizung von der Gebäudeplanung mit anderen Energiesystemen? Was gibt es zu beachten?
Die Planung und Positionierung des Eispeichers und der Kollektorflächen auf dem Dach sollten im frühen Entwurfsstadium berücksichtigt werden.

Herr Stadelmaier, wie oft hatten Sie als Fachplaner für Heizung, Lüftung Sanitär bereits mit dem innovativen
System der Eisspeicherheizung zu tun?
Über Voruntersuchungen bzw. Grundsatzüberlegungen hinausreichend war dies das einzige Projekt, welches in unserem Büro mit einer Eisspeicherheizung konkret projektiert und dann auch umgesetzt wurde.

Welchem Kunden würden Sie das System empfehlen und warum?
Pauschal kann diese Frage nicht beantwortet werden. Aber diese Art der Gebäudeheizung kann auf jeden Fall Kunden empfohlen werden, die eine unabhängige, innovative und ökologische Beheizungsart für ihr Gebäude wünschen. Abhängig ist dies dann natürlich von mehreren Faktoren wie z.B. Gebäudenutzung, Form, Wirtschaftlichkeit, etc.

Energiekonzept

Für die Gemeinde Tamm als öffentlichem Bauherrn stand von Planungsbeginn an fest, beim Bau der neuen viergruppigen Kita nicht nur mit hoher architektonischer Qualität, sondern auch in Sachen effizienter Energieversorgung ein Beispiel zu setzen. Innovative Haustechnik wie LED-Beleuchtung, BUS-Technologie, mechanische Be- und Entlüftung und hohe Dämmstandards der Außenhülle sorgen insgesamt für einen minimierten Energiebedarf des Gebäudes im Betrieb. Wesentlicher Bestandteil des Energiekonzepts ist die Sole-Wasser-Wärmepumpe Vitocal 300-G. Die Wärmeübertragung wird in allen Räumen über eine komfortable Fußbodenheizung sichergestellt.

Eisspeicher

Das Prinzip des Eisspeichersystems als Energiequelle zur Heizung und Kühlung von Gebäuden wurde von einem Gemeinderatsmitglied als Vorschlag selbst eingebracht und stellte schon sehr früh eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Lösung zur Heizung und Kühlung des Gebäudes dar. Gleich mehrere regenerative Energiequellen werden gleichzeitig genutzt: Sonne, Umgebungsluft, Erdwärme und Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen. Durch die Kombination dieser verschiedenen Wärmequellen wird eine hohe Energieeffizienz erreicht.

Ein Eisspeichersystem besteht aus einem Eisspeicherbehälter mit Entzugs-und Regenerationswärmetauscher, einem Solar-Luftabsorber, einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und dem integrierten Wärmequellenmanagement. Der Vorteil eines Eisspeichersystems besteht darin, dass es keiner Genehmigung bedarf, weil der Eisspeicherbehälter mit reinem
Leitungs- oder Grundwasser befüllt wird. In Kombination mit dem Solar-Luftabsorber dient der Eisspeicher als vollwertige Wärmequelle für Sole-Wasser-Wärmepumpen. Diese Lösung bietet sich beispielsweise in Gebieten an, in denen eine Erdwärmesondenbohrung aus umweltrechtlichen Gründen nicht genehmigt wird oder mit überhöhten Kosten verbunden ist. Das Eisspeichersystem lässt sich mit allen Viessmann Vitocal Sole-Wasser Wärmepumpen einsetzen. Eisspeichersysteme nutzen Kristallisationswärme. Diese wird freigesetzt, wenn ein Stoff, in diesem Fall Wasser, seinen Aggregatzustand von flüssig auf fest ändert. Zum Vergleich: 125 Liter gefrorenes Eis liefern in etwa die gleiche Energie wie ein Liter Heizöl.

Das in Tamm installierte Eisspeichersystem von Viessmann produziert nicht nur die benötigte jährliche Gebäudeenergie sondern kühlt in den Sommermonaten das gesamte Gebäude über die Leitungen der Fußbodenheizung. Herzstück ist ein im Erdreich installierter Viessmann Eisspeicher – etwa 25 Meter von den Technikräumen des Gebäudes entfernt. Der monolithische Stahlbetonbehälter hat einen Durchmesser von 6,5 Metern und eine Wandhöhe von 3,0 Metern. Er fasst einen Gesamtinhalt von circa 99 Kubikmetern.

Die Vitocal 300-G nutzt mehrere Primärquellen, die von dem integrierten Wärmequellenmanagement geregelt werden. Primärquellen sind Umgebungsluft, solare Einstrahlung und Erdwärme. Der Primärquellenspeicher lagert diese Energien auf niedrigem Temperaturniveau ein und stellt sie der Wärmepumpe zur Verfügung. Zur Erweiterung der Kapazität des Speichers wird die frei werdende Energie beim Phasenwechsel genutzt.

Im Eisspeicher selbst befinden sich zwei Wärmetauscher: Der Entzugswärmetauscher im Inneren des Eisspeichers und der Regenerationswärmetauscher an seiner Außenwand. Die Viessmann Sole-Wasser-Wärmepumpe Vitocal 300-G entzieht dem Eisspeicher seine Energie und lässt dadurch das Wasser gefrieren. Sie wandelt die Energie im Eisspeicher in Wärmeenergie um. Dieser Vorgang erfolgt im Entzugswärmetauscher. Die patentierte Vereisung, die von innen nach außen funktioniert, verhindert ein Sprengen des Behälters beim Vereisungsvorgang. Im Regenerationswärmetauscher wird dem Wasser durch das Schmelzen des Eises wieder Energie zugeführt. Diese Energie kann wiederum durch die Wärmepumpe aufgenommen und in Heizwärme umgewandelt werden. Auch das Kühlen im Sommer ist einfach: Über das Heizsystem mit Fußbodenheizung wird anstelle des warmem Wassers nun kaltes Wasser aus dem Eisspeicher genutzt.

Auf dem Dach des Neubaus sind fünf Solar-Luftabsorber vom Typ Viessmann SLK-F für die Erwärmung des Wassers im Eisspeicher montiert. Rund 43 Quardratmeter Aufstellfläche wurden dafür auf dem Dach benötigt. Die Kollektoren nutzen die Wärme aus Umgebungsluft und Sonneneinstrahlung und geben sie an die Wärmepumpe ab. Zusammen liefern sie einen solaren Ertrag von rund 58.144 kWh/a. Wenn keine Energie durch die Wärmepumpe abgerufen wird, dienen die Kollektoren zur Regeneration des Eisspeichers. Das in die Regelung integrierte Wärmequellenmanagement entscheidet je nach Temperaturangebot, ob die Wärmepumpe den Absorber oder den Primärquellenspeicher als Wärmequelle nutzt.

Photovoltaik und Energieversorgung

Die Strom-Energieversorgung des Gebäudes erfolgt über einen Hausanschluss des örtlichen Energieversorgers, sowie über eine Photovoltaikanlage die mit einer Leistung von 7 KWp das Gebäude zuverlässig mit Strom versorgt. Überschüsse werden über einen Rückspeisezähler ins öffentliche Netz eingespeist. Etwa 12.513 kWh/a (dies entspricht der gesamten erforderlichen elektrischen Antriebsenergie der Wärmepumpe aus den Berechnungen während der
Projektierung) des Ertrags werden für den Betrieb der Wärmepumpe verwendet. Außerdem wurden sechs dezentrale Wohnraumlüftungsgeräte, vier in den Gruppen und jeweils ein zusätzliches Gerät in Erd- und Obergeschoss eingesetzt sowie eine Küchenlüftungsanlage. Die Wohnraumlüftungen haben einen Wärmerückgewinnungsgehalt von bis zu 90 Prozent.

Licht
Die Beleuchtung ist im gesamten Haus außer in einigen weniger frequentierten Lager- und Nebenräumen mit energieeffizienten LED-Leuchtmitteln ausgeführt. In den Gruppen- und Schlafräumen und dem Mehrzweckraum lässt sie sich über örtliche Taster steuern.

In Sanitär und Flurbereichen erfolgt die Beleuchtungssteuerung mittels Präsenzmeldern. Übergeordnet werden Beleuchtung, wie auch schaltbare Verbraucher und der Sonnenschutz über ein BUS-System mit Steuerungstableau (EIB/KNX) bedient und programmiert. Dies erlaubt eine Flexibilität, die auch für zukünftige Anforderungen des Gebäudes gerüstet ist.

Sonnenschutz

Der Sonnenschutz am Gebäude lässt sich über örtliche Bedientaster in den jeweiligen Räumen, sowie über das zentrale BUS-Steuertableau bedienen. Eine Wetterzentrale registriert starken Wind und Regen und lässt die Behänge zum Schutz automatisch nach oben fahren. Gleichermaßen erfolgt ein automatisches Herabfahren des Sonnenschutzes bei Sonneneinstrahlung in Abhängigkeit von den Himmelsrichtungen und der hinterlegten Helligkeitswerte.

Um einen kontrollierten Gebäudezutritt zu gewährleisten ist die Kita mit einer Gegensprechanlage mit Videofunktion in alle Gruppenräume und in das Büro der Kitaleitung ausgestattet.

Autorin: Iris Darstein-Ebner

Eingesetzte Produkte

Vitocal 300-G | Sole-Wasser-Wärmepumpe ©Viessmann

 

 

 

 

 

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