Doppelhaus im Kreis Euskirchen - archiTEC24

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Doppelhaus im Kreis Euskirchen

Die beide Haushälften sind im Inneren fast identisch organisiert. © Thorsten Arendt, Münster
Die beide Haushälften sind im Inneren fast identisch organisiert. © Thorsten Arendt, Münster

Daten und Fakten

Standort: Kreis Euskirchen, Nordrhein-Westfalen
Bauherr: privat
Architekt: Knott & Koch Architekten Partnerschaft mbB, Düren
Bauzeit: 2013-2014
Fertigstellung: 2015

Kennwerte je Doppelhaushälfte
Grundstücksfläche: 367 m²
Wohnfläche: 203 m²

BGF: 279 m²
BRI: 987 m³

Primärenergiebedarf: 15.254 kWh/a
Jahresheizwärmebedarf: 11.095 kWh/a
Heizlast: 13 kW
Energiestandard: KfW-Effizienzhaus 60 (EnEV 2009)
Energieträger: Erdwärme

Architekten

Knott & Koch Architekten Partnerschaft mbB
Im Eschfeld 44
52351 Düren
Tel.: 02421-123714
Fax: 02421-123850
office@knott-koch.de
www.knott-koch.de

Geschäftsleitung:
Dipl.-Ing. Arno Günther Knott
Dr.-Ing. Jan Philipp Koch

Bürophilosophie:
Unser Büro versteht die Architektur als einen Prozess der Suche nach plastischen, skulpturalen und dauerhaft zeitgenössischen Identitäten, in denen sich sowohl die Bauaufgabe, als auch die Bauherrenwünsche widerspiegeln. Wir wollen das geistige und das materielle, welches der Architektur in der sich darstellenden Kunst- und Formensprache inne wohnt, erlebbar machen. Hier sind neben den Besonderheiten eines Ortes mit dem „genius loci“ auch seine Eigenschaften mit der baulichen Architektur zu verweben – eine positive Bereicherung der Umgebung durch eine körperhafte Architektur ist ebenfalls ein Ziel. Die Architekturqualität definieren wir bei unseren Bauten mit der Erfüllung von:

• Emotionaler Qualität – im Sinne von Design, Anmutung und vielfältigen Raumerlebnissen,
• Funktionaler Qualität –im Sinne von Robustheit, Alltagstauglichkeit und Zuverlässigkeit,
• Serviceorientierter Qualität – im Sinne des Nutzers, des Betreibers, des Versorgers.

Wobei die Gewichtung von der Bauaufgabe und auch von den Bauherren abhängig ist. Aus diesen Prämissen entsteht letztlich die erarbeitete Entwurfsidee, die dann zu konkreter Planung, Bau und Betrieb führt.

Fachplaner

Statik
Dipl.-Ing. Bruno Caspers
Kirchstraße 10 a
52382 Niederzier

Haustechnik / TGA
Fa. Heinrich Bauer
Am Torfberg 47
52372 Kreuzau-Stockheim
Tel.: 02421-501471
Fax: 02421-503483
h.bauer-gmbH@t-online.de

und

Elektro Clemens
Drovestraße 122
52372 Kreuzau-Drove
Tel.: 02422-901713
Fax: 02422-901714
info@clemens-elektrotechnik.de
www.clemens-elektrotechnik.de

Bodengutachten
Hubert Wolfgarten
Bergstraße 7
52391 Vettweiß
Tel.: 02252-1456
Fax: 02252-834770
mailto:info@geologe-wolfgarten.eu
www.geologe-wolfgarten.eu

Vermessung
Vermessung Schumacher
Bourscheidtstraße 3a
52249 Eschweiler
Tel.: 02403-26616
info@vermessung-schumacher.de

Geothermie
Holzportz Umwelttechnik
Sonnenkamp 10
52385 Nideggen
Tel.: 02427-8599
Fax: 02427-8867
info@holzportz-umwelttechnik.de
www.holzportz-umwelttechnik.de

Entwurfsaufgabe

Die zwei Bauherrinnen hatten die vorherige Zeit ihres Lebens auf einer Burg in der Umgebung gewohnt. Im fortgeschrittenen Alter wollten sie sich aber nun nicht mehr mit den Mühen, die der Erhalt und die Pflege eines solchen alten Gemäuers mit sich bringen, belasten. Auch sollte das neue Heim barrierefrei sein, so dass ein bequemes Leben bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden möglich wäre. Da die Bauherrinnen aber gerne weiterhin Tür an Tür wohnen wollten, beauftragten sie das Architekturbüro Knott & Koch Architekten Partnerschaft mbB aus Düren mit dem Entwurf eines Doppelhauses.

Die Zukunft hatte der Architekt Arno Knott bei der Konzeption gleich zweifach im Blick: jede Doppelhaushälfte ist funktional und technisch unabhängig, so dass ein späterer Verkauf oder Vermietung unabhängig voneinander erfolgen könnte. Mit dem Energiekonzept aus Erdwärme und einer Sole/Wasser-Wärmepumpe für das KfW-Effizienzhaus 60 nutzt der Architekt eine regenerative Energiequelle, welche die Ressourcen schont und die Energiekosten senkt.

Projektbeschreibung

Der Kreis Euskirchen liegt im äußersten Südwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen an der Grenze zum Nachbarland Belgien. Das Mittelgebirge Eifel, welches auf belgischer Seite an die Ardennen grenzt, erstreckt sich entlang des südwestlichen Kreisgebiets.

Die nebeneinander liegenden Baugrundstücke der zwei Bauherrinnen befinden sich in einer kleinen Gemeinde am Rand der Eifel. Im Norden werden die Grundstücke von einer ruhigen Wohnstraße erschlossen, an der westlichen Grundstücksgrenze verläuft ein Bach. Der eigentlich schmale Bachlauf schwillt im Frühjahr bei der Schneeschmelze im nahen Mittelgebirge sowie nach starken Regenfällen an und führt Hochwasser. Die potenzielle Hochwassergefahr durch den Bach galt es für die Architekten bei der Planung ebenso zu berücksichtigen wie einen unter Naturschutz stehenden Ahornbaum auf der anderen Uferseite des Bachlaufs, der zwar nicht auf dem Baugrundstück steht, dessen mächtige Krone jedoch über den Bach und auf das Bauareal reicht.

Der Architekt Arno Knott von Knott & Koch Architekten Partnerschaft mbB aus Düren entwickelte auf den angrenzenden Grundstücken ein Doppelhaus, dessen beide Hälften völlig autark voneinander funktionieren. Sowohl die Wohneinheiten als auch die technischen Anschlüsse sind voneinander getrennt. Zwar wäre ein gemeinsamer Hausanschluss kostengünstiger gewesen, doch wurde ganz bewusst darauf verzichtet.

Parallel zur Wohnstraße platzierte der Architekt das Doppelhaus auf dem Bauareal. Der zweigeschossige Baukörper mit Flachdach ist in Anlehnung an den Bauhausstil gehalten und kombiniert Sichtmauerwerk und verputzte Fassadenflächen miteinander. Auf den ersten Blick sind beide Haushälften spiegelbildlich aufgebaut. Einzig die hintere rechte Gebäudeecke wurde als Rundung ausgeführt, da das Kreisbauamt mindestens drei Meter Abstand zum Gewässer des Bachs vorschrieb, die eingehalten werden mussten.

Jede der zwei Haushälften verfügt im Erdgeschoss über eine großzügige, ungefähr 100 Quadratmeter große Wohnung. Im Obergeschoss entstand jeweils eine eigenständige Wohneinheit, die in Zuschnitt, Raumaufteilung und Größe der Erdgeschosswohnung entspricht und bei Bedarf beispielsweise auch an eine Pflegekraft vermietet werden könnte.

Beide Haushälften sind fast identisch aufgebaut: Die Haustür führt in einen kleinen Windfang, der als gemeinsamer Eingangsbereich für die Wohneinheiten im Erd- und Obergeschoss dient und von dem die Treppe ins Obergeschoss abgeht. Der Windfang ist so gestaltet, dass er durch den nachträglichen Einbau eines Türelementes jeweils einen separaten Zugang zu den Wohneinheiten ermöglicht. Vom Flur aus betritt man bei der linken Haushälfte die Küche, in der rechten Haushälfte ist ein kleiner Flur vorgeschaltet, der auch zum Schlaftrakt führt. Von der Küche überblickt man die Wohnstraße. Ein Hauswirtschaftsraum ist von der Küche abgetrennt und bietet viel Stauraum für Vorräte und einen Platz für Waschmaschine und Trockner. In den Erdgeschosswohnungen führt zusätzlich ein separater Eingang vom Hauswirtschaftsraum in die angrenzende Garage, so dass Einkäufe witterungsgeschützt und bequem vom Auto in die Küche getragen werden können. Der fast 30 Quadratmeter große Wohnraum mit Kamin ist nach Süden zum Garten ausgerichtet. Über raumhohe Fenster-Schiebetüren gelangt man auf die überdachte Terrasse und in den Garten. Die Wohnungen im Obergeschoss verfügen über einen großen Balkon.

Der Schlafraum mit Bad und Ankleide ist ebenfalls zur ruhigen Gartenseite orientiert. Während die Schlafräume beider Haushälften einander entsprechen, wünschten sich die Bauherrinnen eine unterschiedliche Erschließung des Schlaftrakts. In der linken Haushälfte gelangt man direkt vom Wohnraum zum Schlaftrakt mit Bad und Ankleide. In der rechten Haushälfte werden die privaten Räume von einem kleinen Flur erschlossen, der von der Eingangsdiele abgeht. Unter der Treppe ins Obergeschoss befindet sich in den Erdgeschosswohnungen jeweils ein Gäste-WC.

Baukonstruktion

Das zweigeschossige Doppelhaus ist nicht unterkellert. Um der Hochwassergefahr durch den angrenzenden Bachlauf zu begegnen, wurde im Fundamentbereich eine zwei Meter in die Tiefe reichende Schürze aus Beton abgetäuft, die eine Unterspülung der Bodenplatte verhindert.

Der Baukörper wurde in Massivbauweise mit Mauerwerkswänden und Stahlbetondecken errichtet. Die zweischaligen Außenwände bestehen aus einem tragenden Hintermauerwerk aus Kalksandsteinen mit Wärmedämmung, Luftschicht und außenliegendem Sichtmauerwerk. Die nichttragenden Innenwände wurden ebenfalls aus Kalksandstein gemauert. Die Trennwand zwischen den Haushälften wurde aus Schall- und Brandschutzgründen doppelschalig aus zwei 17,5 Zentimeter starken Kalksandsteinwänden mit Dehnfuge ausgeführt.

Die dunklen Klinker der Backsteinfassade wurden im Läuferverband verlegt. Zur Auflockerung der stringenten Fassade wurde das Sichtmauerwerk zwischen den Fenstern des Erdgeschosses und des Obergeschosses vertikal ausgeführt. Die Terrassen- bzw. Balkoneinschnitte sowie die Garagen wurden im Kontrast zum Mauerwerk hell verputzt. Als Sicht- und Sonnenschutz dienen außenliegende Jalousien mit in die Fassade integrierten Rollladenkästen.

Interview

Interview mit dem Dipl.-Ing. Architekt Arno Knott von Knott & Koch Architekten Partnerschaft mbB, Düren

Welche Herausforderung liegt grundsätzlich in der Planung für zwei Parteien?
Grundsätzlich sind die Menschen verschieden – auch innerhalb oder gerade innerhalb einer Familie wollen sich unterschiedliche Charaktere auch im Positiven abgrenzen. Hier gilt es die Einzelwünsche zu erkennen, ein gemeinsames Vielfaches zu finden und die Chance zu erörtern, dass eine gemeinsame Formensprache großzügiger wirkt, als eine zu starke Differenzierung. Ein grundsätzliches Problem können hier dann Bildungsvoraussetzungen sein, die Bereitschaft zum Zuhören und zum Kompromiss und, so simpel es klingt, Einkommensunterschiede! Aber auch die unterschiedlichen Lebenserfahrungen im Umgang mit Funktionsabläufen und der eigene Geschmack sind eine Herausforderung, die in vielen Gesprächen, Skizzen und auch Besichtigungen von Bauten zu filtern sind.

Mit welchen Wünschen sind die Bauherren auf Sie zu gekommen?
Da die Damen zuvor in einer Burg mit all der Mühe eines alten Gemäuers lebten, war der Wunsch nach einem bequemen, weniger arbeitssamen und pflegeleichten Wohnen der wichtigste. Dazu kamen altersgemäß die Barrierefreiheit, Wertigkeit in Material und Schlichtheit in der Gestaltung.

Zweimal dasselbe oder worin unterscheiden sich die Doppelhaushälften?
Die Unterschiede sind graduell den individuellen Lebenserfahrungen im Funktionsablauf geschuldet. Diese zeigen sich im Grundriss deutlich zwischen der direkten/indirekten Verbindung von Wohnen und Schlafen. Ferner sind die Auflagen der Wasserbehörde an der Grenze zum Bach und der Hochwasserschutz eine Ursache für die leichte Veränderung der Schlafräume zur rechten Haushälfte. Hier ist zusätzlich ein mächtiger Ahornbaum, der unter Naturschutz steht, zu berücksichtigen gewesen.

Worauf mussten Sie bei der Bauweise achten?
Da es sich um zwei Grundstücke handelt, sind hier zwei getrennte Häuser entstanden – es ist kein Zweifamilienhaus. Daher sind beide Hälften autark aus der Nutzung und technischen Versorgung heraus gebaut worden. Die etwas höheren Baukosten wurden zur klareren Besitzabgrenzung in Kauf genommen. Technisch anspruchsvoll ist die Hochwassergefahr des Baches – hier wurde im Fundamentbereich eine zwei Meter in die Tiefe reichende Schürze aus Beton abgetäuft, die eine Unterspülung der Bodenplatte verhindert, was beim vergangenen Hochwasser funktioniert hat. Während der Bauzeit wurde die Bachböschung soweit aufgeschüttet, dass steigendes Wasser die Baustelle nicht überspülen konnte.

Wie funktioniert das Energiekonzept?
Die Haushälften werden völlig eigenständig voneinander versorgt. Je Haushälfte wurden sechs Erdwärmesondenbohrungen à 90 Meter vorgenommen. Im jeweiligen Technikraum sind die Erdwärmeleitungen zusammengefasst. Dort übertragen sie die Wärme aus dem Erdreich in das Wärmepumpengerät, von wo aus sie anschließend in den  großen Pufferspeicher geladen wird. Der Heizwasser-Pufferspeicher versorgt das Erd- und Obergeschoss jeweils separat, da die Wohnung im Obergeschoss ggf. an eine Pflegekraft vermietet werden soll. Zur Kostenoptimierung der Erdwärmesondenbohrung wurden alle Bohrungen zeitgleich und noch vor Aufnahme der Rohbauarbeiten ausgeführt, da die Baustelle nur von der Straße zugänglich war. Die Wärmepumpen versorgen die Fußbodenheizung und dienen der Trinkwassererwärmung in jeder der beiden Haushälften.

Energiekonzept

Die beiden Haushälften des Doppelhauses sind energetisch autark voneinander und verfügen über eine eigene Energieversorgung. Das Energiekonzept beider Haushälften ist jedoch identisch. Die Heizlast des als KfW-Effizienzhaus 60 (nach EnEV 2009) konzipierten Doppelhauses liegt pro Haushälfte bei 13 kW und wird über eine geothermische Anlage in Kombination mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe durch Erdwärme gedeckt. Der Technikraum befindet sich im Anschluss an die Garage. Die Wärmeverteilung in den Wohneinheiten erfolgt über eine Fußbodenheizung mit Einzelraumregelung, einzig in den Bädern wurden zusätzlich Heizkörper als Handtuchwärmer installiert.

Heizung und Warmwasserversorgung

Bei der Konzeption der Heizung und Warmwasserversorgung setzte der Architekt gemeinsam mit den Fachplanern auf Erdwärme. Je Haushälfte wurde eine geothermische Anlage mit sechs Erdwärmesonden in Kombination mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe Vitocal 300-G von Viessmann installiert.  Die einstufige Wärmepumpe ist für den monovalenten Betrieb zur Raumheizung und Trinkwassererwärmung bestens geeignet. Die Nennwärme-Leistung beträgt 21,2 kW, die Kälteleistung 17 kW. Vitocal 300-G ist mit der Energieeffizienzklasse A++ nach EU-Verordnung Nr. 811/2013 beim Heizen gekennzeichnet. Durch die schalloptimierte Gerätekonstruktion ist die Wärmepumpe besonders geräusch- und schwingungsarm. Der Schall-Leistungspegel beträgt < 44 dB(A), sodass die Aufstellung auch in Wohnraumnähe möglich ist.

Die Sole/Wasser-Wärmepumpe Vitocal 300-G speist die gewonnene Erdwärme gleichmäßig in den HeizwasserPufferspeicher Vitocell 100-E mit einem Fassungsvermögen von 400 Litern ein.Die hochwirksame Rundum-Wärmedämmung sorgt für geringe Wärmeverluste. Die Speicherung des Trinkwassers übernimmt ein WarmwasserSpeicher Vitocell 100-L, der 390 Liter fasst. Der korrosionsgeschützte Speicherbehälter aus Stahl mit Ceraprotect-Emaillierung sorgt für hygienische Warmwasserversorgung.

Eingesetzte Produkte

Vitocal 300-G | Sole-Wasser-Wärmepumpe ©Viessmann Vitocell 100-E | Speicher für Heizwasserspeicherung ©Viessmann Vitocell 100-L | Speicher für Trinkwassererwärmungsanlagen ©Viessmann
Autorin: Katharina Ricklefs

 

 

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