Apartimentum, Hamburg - archiTEC24

Blockheizkraftwerk Eis Eisspeicher Projekte Sole/Wasser-Wärmepumpe Wärmepumpe Wasser Wohngebäude

Apartimentum, Hamburg

Mit dem Apartimentum ist der Bauherr Lars Hinrichs angetreten, das Wohnen zu revolutionieren. © HGEsch, Hennef
Mit dem Apartimentum ist der Bauherr Lars Hinrichs angetreten, das Wohnen zu revolutionieren. © HGEsch, Hennef

Daten und Fakten

Standort: Mittelweg 169, 20148 Hamburg
Bauherr: Lars Hinrichs c/o Cinco Capital GmbH, Hamburg
Architektur: KPW Papay Warncke und Partner Architekten mbB

Bauzeit: 2013-2016
Fertigstellung: 9/2016
BGF:  6.045 m²

Architekten

KPW Papay Warncke und Partner Architekten mbB
Michaelisstraße 22
20459 Hamburg
Tel.: 040-355550
Fax: 040-35555177
mail@kpw-architekten.de
www.kpw-architekten.de

Inhaber:
Björn Papay
Finn Warncke
Niels Vagt

Selbstverständnis:
Wir streben an, aus jedem Projekt einen Maßanzug für den Ort und Nutzer zu schaffen. Auf Grundlage einer genauen Analyse der Rahmenbedingungen und Potenziale wird mit Leidenschaft, engem Kontakt zum Bauherrn und persönlicher Kontinuität an der konsequenten Umsetzung eines übergreifenden Konzeptes gearbeitet. Dabei werden die Bedingungen der Gestalt, der Funktionsgerechtigkeit und der Wirtschaftlichkeit weiter bestimmt. Erst die optimale Synthese dieser Parameter stellt eine überzeugende Planungsleistung dar.

Entwurfsaufgabe

Als Lars Hinrichs die Immobilie im Hamburger Stadtteil Rotherbaum 2010 erwarb, wollte er das Mehrfamilienhaus von 1908 anfangs nur rasch sanieren und umbauen. Die Denkmalschutzbehörde und Streitigkeiten mit einem Nachbarn verzögerten das Projekt allerdings, so dass der Bauherr Zeit zum Nachdenken hatte. In dieser Zeit entwickelte er das Konzept für das Apartimentum: Es sollten Mietwohnungen entstehen, die speziell auf Menschen zugeschnitten sind, die beruflich viel unterwegs sind und nur für ein paar Jahre ein Domizil in Hamburg beziehen wollen. Diese sogenannten Instant-ComfortWohnungen verfügen über den neuesten Stand der Technik. Von der Klingelanlage bis zur Beleuchtung lässt sich als über Apps per Smartphone oder Tablet steuern.

Projektbeschreibung

Das Wohngebäude liegt im Hamburger Stadtteil Rotherbaum in fußläufiger Entfernung zur Außenalster. Der Alsterpark des 164 Hektar großen Binnensees ist ein beliebtes Naherholungsgebiet mitten in der Großstadt. Entlang der Uferpromenade erreicht man in nur 15 Gehminuten die Innenstadt. Der Stadtteil Rotherbaum ist ein nobles Villenviertel. Wohn- und Geschäftshäuser aus der Gründerzeit mit weißen Fassaden und kupfergedeckten Dächern prägen das Quartier.

2010 erwarb Lars Hinrichs das Gründerzeithaus aus dem Jahre 1908. Ursprünglich wollte der Bauherr die Immobilie rasch sanieren und zu einem klassischen Mietshaus umbauen. Allerdings verzögerten die Denkmalschutzbehörde und Streitigkeiten mit einem benachbarten Restaurantbesitzer den Start des Bauvorhabens um ganze vier Jahre. Während dieser Zeit entwickelte Hinrichs die Idee für das Apartimentum. Das Konzept bezeichnet der Bauherr als „fünfte Kategorie des Wohnens“, die zwischen dem Service eines Hotels, der zeitlichen Flexibilität eines Boardinghouses, dem Luxus einer eleganten Eigentumswohnung und dem Zuhausegefühl einer Mietwohnung angesiedelt ist. Die Zielgruppe des Apartimentum sind so genannte Expatriates. Unter Expatriates versteht man in der Wirtschaft solche Fachkräfte, die von dem international tätigen Unternehmen, bei dem sie beschäftigt sind, vorübergehend – meist für ein bis drei Jahre – an eine ausländische Zweigstelle entsandt werden. Personen also, die nicht für immer nach Hamburg ziehen werden, sondern nur für eine begrenzte Zeitspanne in der Hansestadt wohnen werden. Das können neben oben erwähnten Expatriates zum Beispiel auch hochbezahlte Fußballprofis oder Künstler sein, die für ein längeres Engagement in der Stadt weilen. Unter dem Slogan, Instant Comfort: sofort ankommen, sofort leben, sofort zu Hause sein, bietet das Apartimentum Mietwohnungen. Zum Service des Apartementkomplexes gehört, dass sich die Mieter beim Ein- oder Auszug um nichts kümmern brauchen. Das heißt, keinerlei Verträge mit Stadtwerken, Stromanbietern, Telefonunternehmen schließen oder kündigen müssen. Die Miete ist quasi eine Flatrate-Miete, in der alle Nebenkosten bis hin zum Internet schon enthalten sind. Die Mietverträge sind von sechs Monaten bis zu vier Jahren befristet, können bei Bedarf aber auch verlängert werden.

Das Hamburger Büro KPW Papay Warncke und Partner Architekten mbB wurde mit der Planung beauftragt. Hinter der Gründerzeitfassade von 1908 entstand ein mehrgeschossiger Neubau. Des Weiteren wurde eine zweigeschossige Dachaufstockung umgesetzt.

Während die oberen Stockwerke des Apartimentums den Instant-Comfort-Wohnungen vorbehalten sind, befinden sich im Erdgeschoss ein Restaurant und multifunktionale Coworking Spaces. Die flexiblen Coworking Spaces mit bis zu 30 Sitzplätzen dienen tagsüber als Arbeitsplätze und können abends, je nach Anforderung, als Räumlichkeiten für Produktpräsentationen oder als Veranstaltungsort für Konferenzen genutzt werden.

Die Wohnungen im Apartimentum verfügen über eine Wohnfläche von bis zu 269 Quadratmetern und eine Deckenhöhe von 3,70 Metern. Die Grundrisse der Wohnungen folgen einem klaren Prinzip, unterteilt in einen öffentlichen und einen privaten Bereich. Der öffentliche Bereich der Wohnung besteht aus einer offenen Küche, dem Essbereich und dem Wohnzimmer. Der private umfasst den Master-Bedroom, eine Master-Ankleide und Bad sowie ein bis zwei zusätzliche Räume für Kinder, Gäste oder ein Arbeitszimmer. Dazu kommen ein Gäste-Duschbad, ein Hauswirtschaftsraum und ein Abstellraum. Alle Räume sind über großzügige Flure miteinander verbunden. Die Maisonette-Wohnungen verfügen über drei Ebenen. Eine Ebene für den öffentlichen und eine für den privaten Bereich plus eine große Dachterrasse mit Blick auf die Außenalster und das Hamburger Panorama. In der Tiefgarage stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung; es gibt außerdem 20 Ladestationen für Elektroautos.

Die Innenausstattung des Apartimentum geht über den Begriff des Smart Homes hinaus, vielmehr geht es darum, dass das Interieur und die Infrastruktur per Internetprotokoll untereinander kommunizieren. In allen Wohnungen wurde ein Maximum an Sicherheit, Energieeffizienz und Komfort geschaffen. Dazu wurde ein Glasfaser-Internetanschluss mit einer Datenrate von theoretisch zehn Gigabit installiert, der dank 40 im Haus verteilter Verstärker auch im Fahrstuhl funktioniert. Alle Funktionen lassen sich über Apps steuern. Diese sind auf den wohnungseigenen iPads vorinstalliert, lassen sich aber auch auf das Smartphone der Mieter laden.

Der Komfort beginnt schon am Hauseingang: wird Post eingeworfen, schickt die Paketanlage eine Push-Nachricht an den Briefkasteninhaber. Als Klingelkasten dient ein Touchpad im Eingangsbereich, ausgestattet mit einer 4-K-Kamera. Die klassische Gegensprechanlage gibt es nicht, stattdessen wird das Smartphone genutzt. Egal wo sich der Bewohner gerade befindet – er kann von überall mittels Smartphone mit dem Besucher vor dem Haus kommunizieren und natürlich die Tür öffnen. Ob jemand das Haus betritt, registriert auch der Fahrstuhl und fährt automatisch ins Erdgeschoss. Das funktioniert auch anders herum: verlässt ein Bewohner seine Wohnung fährt der Fahrstuhl sofort auf die entsprechende Etage. Vom Fahrstuhl leiten den Gast LED-Lichtbänder bis zur richtigen Wohnung, über der das Licht besonders hell brennt.

Auch die 120 Kilogramm schweren Wohnungstüren verfügen nicht mehr über herkömmliche Schließanlagen, sondern können per Smartphone geöffnet werden. Mittels Bluetooth erkennt das System, ob ein Eintrittsberechtigter vor der Tür steht. Für Besucher, Handwerker oder Reinigungspersonal können zeitlich begrenzte Zutrittscodes vergeben werden. Ein Lagesensor meldet, wenn sich jemand an der Tür zu schaffen macht, und alarmiert den Wohnungsbesitzer. Auf das Smartphone werden dann Bilder von der Außenseite der Wohnungstür in HD-Qualität übertragen.

Die Fenstergriffe sind mit umfassender Sensorik ausgestattet, die über Alarm-, Griffstellungs-, Fensteröffnungs-, Licht-, Temperatur-, Luftfeuchtigkeits-, Näherungs- und Bewegungssensoren sowie eine Urlaubseinstellung verfügen. So registrieren die Sensoren zum Beispiel, wenn die Fenster geöffnet sind und und schalten die aktive Zuluft ab.

Auch die Lichtsteuerung kann über Smartphone oder Tablet erfolgen und lässt sich mit anderen Funktionen verknüpfen, so dass beispielsweise statt der Haustürklingel Lampen blinken, um das Kind nicht zu wecken. Neben den einfachen Funktionen wie an, aus oder dimmen kann auch der biologisch wirksame Farbanteil des Lichts reguliert werden, für einen hohen Rotanteil beim Einschlafen oder einen hohen Blauanteil für einfaches Aufwachen am Morgen.

Für den Fall, dass im Apartimentum einmal der Strom ausfallen sollte, ist vorgesorgt. Zahlreiche Geräte wie zum Beispiel auch die Türen verfügen über leistungsstarke Batterien.

Baukonstruktion

Fassade
Die in weiß gehaltene Gründerzeitfassade des mehrgeschossigen Mehrfamilienhauses aus dem Jahre 1908 wurde grundlegend saniert. Die Details wie Stuckapplikationen, Einfassungen und Giebelelemente aufgearbeitet.

Neubau
Nach hinten erscheint der Neubaukörper als moderne Ergänzung des Apartmentkomplexes mit großen Fensterflächen, Balkonen und einem Flachdachabschluss. Der Neubau ist als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt.

Dach
Das Dach wurde aufgestockt. Dabei achteten die Architekten darauf, dass der neue Dachkörper trotz seiner Größe als einheitliches und elegantes Sekundärelement hinter der weißen, stuckverzierten Fassade des Gebäudes zurücktritt. Die für das Wohnviertel typische Kupfereindeckung des Dachs wird über die Ecke geschlossen herumgeführt. Das Dach ist typologisch als Mansardendach ausgebildet und ist an der Bestandsmansarde orientiert. Die Fenster sind flächenbündig in die Dachfläche integriert.

Energiekonzept

Im Apartimentum wird die gesamte Haustechnik, Glasfaser, Router, Patch-Felder, Switch Thermostat und Protect zusammen gesteuert. Das Instant-Comfort-Prinzip der Wohnungen mit den inkludierten Nebenkosten ersetzt für den Bewohner das Ablesen von Zählern und Ausfüllen von Formularen für den Wasser- und Stromverbrauch. Trotzdem können die Nutzer über ihr Smartphone oder Tablet prüfen, welches Gerät wie viel verbraucht. Zudem können sie in Echtzeit sehen, wie viel Strom, Wärme oder Energie benötigt wird. Ein hauseigenes Blockheizkraftwerk erzeugt Strom und Wärme für den Apartementkomplex. In Kombination mit einem Eisspeicher-System und Wärmepumpen werden zudem der Energiebedarf und damit auch die Energiekosten gesenkt.

Wärmeversorgung / Kühlung

Mit dem Energiekonzept aus einem Blockheizkraftwerk, einem Gas-Brennwertkessel und einem Eis-Energiespeicher von Viessmann ist auch die Haustechnik zur Wärmeversorgung und Kühlung des Wohnhauses auf der Höhe der Zeit.

Hauptbestandteil des Energiekonzepts ist ein speziell für das Apartimentum installierter quaderförmiger Eis-Energiespeicher von Viessmann mit einer Grundfläche von 12,2 auf 9,3 Metern. Das Eis-Energiespeichersystem dient als Wärmequelle für zwei Sole/Wasser-Wärmepumpen Vitocal 300-G von Viessmann. Der Eisspeicher kann Wärme verlustfrei auf niedrigem Temperaturniveau speichern, was besonders wirtschaftlich ist. In den Sommermonaten trägt das System zur angenehmen Kühlung der Wohnungen bei, in dem die Fußbodenheizung den Räumen die überschüssige Wärme entzieht und dem Eisspeicher zuführt. Die so gewonnene Wärme wird über Kunststoffspindeln im Inneren des Eisspeichers an das Speichermedium Wasser abgegeben. In den großvolumigen Wassermengen kann so die sommerliche Wärme auf niedrigem Temperaturniveau für den winterlichen Heizbetrieb zwischengespeichert werden.

Mit Beginn der Heizperiode entziehen die Sole/Wasser-Wärmepumpen Vitocal 300-G dem Eisspeicher die gespeicherte Wärmeenergie und führen sie dem Heizsystem zu. Sie entziehen dem Wasser die Wärme bis zur kontrollierten Vereisung bei null Grad Celsius. Bei diesem Wechsel des Aggregatzustandes wird achtzigmal mehr Kristallisationsenergie freigesetzt als bei einer Abkühlung von Wasser um ein Grad Celsius. Daraus resultiert die enorme Energiespeicherkapazität des Eisspeichers. Insgesamt erreicht das System eine Heizleistung von 64 kW und eine Kühlleistung von 25 kW.

In einem zweiten Bauabschnitt wird das System künftig um 28 Flachkollektoren auf dem Flachdach des Neubaus ergänzt. Diese Solar-Luftabsorber tragen ebenfalls zur Regeneration des Eisspeichers bei. Die über die Absorber aufgenommene Wärme wird in den Eisspeicher eingeleitet und dort gespeichert.

Wenn in besonders kalten oder langen Wintern die Heizleistung des Energie-Eisspeichersystems nicht ausreichen sollte, kann ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und ein Gas-Brennwertkessel zur Wärmeversorgung zugeschaltet werden. Im Apartimentum wurde ein Blockheizkraftwerk Vitobloc 200 von Viessmann installiert. Blockheizkraftwerke sind kompakte Energieerzeugungseinheiten, die Wärme und Strom liefern. Durch die integrierte Brennwerttechnik werden bis zu 95 Prozent des Brennstoffs Erdgas in Energie umgewandelt. Der große Vorteil eines Blockheizkraftwerkes: In der vergleichsweise kleinen Einheit wird zum einen Strom für den Eigenbedarf erzeugt, andererseits wird die zeitgleich anfallende Wärme weitgehend verlustfrei für die Heizung genutzt.

Das hauseigene BHKW im Apartimentum wird parallel zu einem Gas-Brennwertkessel Vitocrossal 200 von Viessmann betrieben. Der Kessel verfügt über die bewährte Inox-Crossal-Wärmetauscherfläche in Kombination mit einem MatriX-Strahlungsbrenner. Dank der bewährten Lambda Pro Control Verbrennungsregelung von Viessmann passt sich der Brenner automatisch an sich verändernde Gasqualitäten an und garantiert einen konstant hohen NormNutzungsgrad von 98 Prozent.

Eingesetzte Produkte

Vitocal 300-G | Sole-Wasser-Wärmepumpe ©ViessmannVitobloc 200 | Block-Heizkraftwerk ©Viessmann
 

 

 

 

Autorin: Katharina Ricklefs

Projekt des Monats

Erweiterte Suche
Recherchieren Sie in der Projektdatenbank nach Gebäudetyp, Energiestandard, Energieträger oder der verwendeten Heiz- und Klimatechnik:

Projektdatenbank

Blockheizkraftwerk

Neu auf archiTEC24.de